Traurig (Ein Kommentar)

Zum Artikel „Fall Tanja: Letzte Zweifel bleiben“ (TV vom 29. Juni):

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Polizei die Ermittlungen im Fall Tanja Gräff einstellen würde. Insofern habe ich hier mit keiner Überraschung mehr gerechnet. Es ist jedoch traurig zu lesen, in welch absurde Richtung die „Ermittlungen“ zuletzt abgedriftet sind.

Da kommt auf einmal ein psychologisches Gutachten auf, welches Tanja einen labilen Zustand attestiert. Und aufgrund einiger kleiner Fläschchen Berentzen, die neben Tanjas Überresten gefunden wurden, wird plötzlich ein Verdacht laut, sie wäre möglicherweise „stark alkoholisiert“ gewesen (wenn Sie einmal nachrechnen, entsprechen zehn Fläschchen des Likörs in etwa einem Viertelliter Rotwein).

Es ist beschämend, wie hier versucht wurde, mit allen Mitteln der breiten Öffentlichkeit eine plausible Erklärung unterzujubeln.

Ich selbst habe Tanja am Abend ihres Verschwindens auf dem Sommerfest der Hochschule getroffen. Ich kann Ihnen sagen, dass sie alles andere als labil wirkte. Tanja war an diesem Abend gut gelaunt und hatte Spaß – genau so, wie wir sie all die Jahre zuvor kannten und genau so, wie man es auf einem Sommerfest jedem Teilnehmer wünscht. Niemand aus Tanjas Freundeskreis hätte sie auch nur im Geringsten als psychisch labil betrachtet, und diese Theorie wurde (zumindest nach außen hin) auch nie als realistisch betrachtet.
Es ist erstaunlich, dass nun plötzlich eine Psychologin, die weder Tanja kannte noch mit ihren engsten Freunden gesprochen hat, ein solches Urteil fällt.

Den Ort, an dem Tanja ums Leben kam, als „beliebten Aussichtspunkt“ zu bezeichnen, halte ich für fraglich. Hätte das nicht in dem Volksfreund-Artikel gestanden, wüsste ich das bis heute nicht. Auch Tanja hat diesen Ort nie zuvor erwähnt. Ob sie also alleine und aus eigenen Stücken dort hingegangen ist? Die Antwort auf dieser Frage überlasse ich den Lesern.

Warum kann unsere Rechtsinstanz nicht einfach akzeptieren, dass dieser Fall auch nach zehn Jahren ungelöst ist?
Das ist in keiner Weise befriedigend, aber ich empfinde es als respektlos, dass diese Thesen nun zum Abschluss so öffentlich im Raum stehen.

Christian Steffen, ein sehr guter Freund von Tanja Gräff
Bad Tölz

Quelle: http://www.volksfreund.de/nachrichten/kolumnen/leserbriefe/Leserbriefe-Traurig;art8042,4668735

4 Antworten auf „Traurig (Ein Kommentar)“

  1. Ich habe immer wieder seid Tanja’s verschwinden überlegt was ihr passiert sein könnte. Ich kannte sie nicht aber ihr verschwinden damals hat mich irgendwie sehr betroffen gemacht. Als sie dann gefunden wurde konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen wie es zu diesem Sturz gekommen sein soll. Nach allem was ich über Tanja gelesen habe, wie sie gewesen sein soll, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen das sie alleine an diesen Ort gegangen sein soll und dort dann verunglückt ist. Ist bewiesen das die Berentzen Flaschen von ihr waren? Wurde ihre DNA an den Fläschchen festgestellt? Ich habe immer ihre Eltern bewundert wie sie mit diesem Schicksal umgegangen sind. Was mich auch noch traurig macht ist das ihr Vater nicht mehr erfahren wird was wirklich passiert ist. Der Mutter und allen Angehörigen und Freunden von Tanja wünsche ich ganz viel Kraft. Sie wird dank euch nie vergessen werden. Ruhe in Frieden Liebe Tanja!!!

  2. Ich möchte den Betreibern dieser Webseite danken und Ihnen meinen allerhöchsten Respekt aussprechen! Ich beschäftige mich mit diesem Fall seit vielen Jahren und halte die Unfalltheorie eher für unwahrscheinlich. Warum hätte Tanja mitten in der Nacht und ganz allein zu diesem abgelegenen Ort gehen sollen? Warum ist sie über den Zaun gestiegen? War sie wirklich alkoholisiert? Sie wollte doch in die Stadt, um Freunde zu treffen. Ihr neuer Freundeskreis ist offenbar nie richtig untersucht worden (Stichwort: Spitzbart-Spur). Der Mann, der in der besagten Nacht einen Freund von Tanja anbrüllte („Lass die Tanja in Ruhe“) soll ja zu dieser Gruppe gehört haben. Ihr neuer Freundeskreis soll angeblich der Death-Metal-Szene angehört haben. Es gibt keine Beweise für ein Verbrechen, aber die Unfalltheorie ist fragwürdig und auch der Anwalt der Mutter von Tanja scheint nicht wirklich an einen Unfall zu glauben!

  3. Ich danke Dir Thorsten, dass du diese Homepage für Tanja errichtet hast. Eine wichtige und sinnvolle Arbeit. Danke auch dir Steffen ,dass du dich nochmal in einem Leserbrief an die Interessierten wendest. Tanja war deine Jugendfreundin und du kennst sie wohl mit am Besten. Ich hoffe sehr, dass Tanjas Schicksal irgendwann einmal aufgeklärt werden kann egal ob die Polizei die Akten schliesst oder geschlossen hat. Für mich bleibt es weiterhin ein Rätsel und unbefriedigend sein Abschluss. Der Mutter von Tanja wünsche ich Frieden! <
    Roswitha

  4. Christian Steffen hat meinen tiefen Respekt für seine ehrlichen und mutigen Worte!
    Ich kannte Tanja zwar nicht persönlich, finde es jedoch sehr befremdlich wie im Nachgang ein Mensch als labile Persönlichkeit dargestellt wird.
    Ich verfolge den Fall seit vielen Jahren und mir ist keine einzige Aussage bekannt, in der Tanja als labil oder dergleichen bezeichnet wird.
    Im Gegenteil, Tanja wird stets als eine junge, selbstbewusste und starke Frau beschrieben.
    Wie die Behörden nun viele Jahre nach Tanjas Verschwinden versuchen, den Fall in eine völlig andere Richtung zu drehen, empört mich persönlich.
    Soll so im Nachhinein das Versagen der Polizei kaschiert werden?
    Nach allem was mir bekannt ist, glaube ich nicht an die Unfalltheorie und werde dies auch vermutlich niemals tun.

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