Niederschrift der Pressekonferenz über die abschließenden Ermittlungsergebnisse vom 28.06.2017

Während der abschließenden Pressekonferenz wurden die Gründe, die zur Einstellung des Verfahrens führten, erläutert. An dieser Stelle wurde versucht, anhand des durch den Volksfreund veröffentlichten Aufzeichnung der Pressekonferenz den gesamten dort verlautbarten Text schriftlich wiederzugeben, dort, wo die Stimme nicht verstanden werden konnte, wurden ___ eingesetzt.

Gesicherter Verlauf in der Nacht vom 06. auf den 07.06.2007

Hier wird extra auf den Ablauf eingegangen, weil dieser aus der Sicht der ermittelnden Behörden wichtig dahingehend erscheint, was passiert ist.

Am Abend des 06.06.2007, das war der Mittwoch vor Frohenleichnahm diesen Jahres, fuhr die Mutter von Tanja Gräff ihre Tochter zum Parkplatz der Universität Trier. Tanja Gräff stieg dort gegen 20:30 Uhr aus. Frau Gräff wusste von ihrer Tochter, dass sie beabsichtigte, einen Mitstudenten zu treffen, den sie in der Uni kennengelernt hatte.

Am gleichen Tag um die Mittagszeit war Tanja Gräff zu einer Mitstudentin und Freundin nach Luxemburg gefahren. Auch der Freundin hatte Tanja erzählt, dass sie einen jungen Mann kennengelernt habe mit dem sie eine Beziehung aufbauen wolle. Tanja Gräff hatte ihrer Freundin auch erzählt, dass es sich an diesem Abend anlässlich des FH-Festes entscheiden solle, ob man zusammen komme. Tanja sei sich allerdings noch nicht sicher gewesen, ob der Mitstudent (Person A) die gleichen Interessen gehabt habe.

Tanja Gräff traf sich, nachdem sie das Fahrzeug ihrer Mutter verlassen hatte mit mehreren Personen, u.a. mit dem A in der Wohnung eines mit A befreundeten Studenten, die Person B.

Die Wohnung lag in der Nähe der UniversitätAm Trimmelter Hof. In dieser Wohnung waren weitere Freunde und Bekannte von A und B, dort wurde vor-gefeiert und dabei auch ausgiebig Alkohol konsumiert, von allen Anwesenden, auch von Tanja Gräff. Tanja Gräff lerne an dieser Abend, dass haben Zeugenvernehmungen ergeben, einen Großteil der Personen erst an diesem Abend kennen.

Gegen 23:30 Uhr fuhren dann 6 Personen dieser Gruppe mit dem Bus in die Innenstadt von Trier und stiegen an der Basilika aus. Zu dieser Gruppe gehörten auch Tanja Gräff und Person A. Die Gruppe ging von dort aus zu Fuß zur Treviris-Passage, dort nahm man einen Shuttlebus, der zum FH_Gelände fuhr. Der Rest der Gruppe, der sich in der Wohnung des Studenten B eingefunden hatte, kam später nach.

Der Student A, also der angehende Freund, war mit einem Freund auf dem FH-Fest verabredet, der Person C. Dieser Freund traf gegen 0:30 Uhr dort ein und wurde von dem A und Tanja Gräff am Eingang abgeholt.

Diese Ursprungsgruppe aus der Wohnung des Studenten B blieb den Abend über auf dem Fest als Kern zusammen, wobei einzelne Personen in der grpßen Menschenmenge auf dem Fest zeitweise den Kontakt zu der Gruppe verloren haben.

Zwischen 3:00 Uhr und 3:30 Uhr ging man gemeinsam zum Parkdeck der FH, dort lief bessere Musik – dort verlor man sich dann aus den Augen. Zurück blieben die Person C und Tanja Gräff.

Der A versuchte in der Zeit zwischen 3:26 Uhr und 3:35 Uhr mehrfach den C und Tanja Gräff telefonisch zu erreichen. Am Parkdeck, wo sich die beiden aufhielten war jedoch ein Mobilempfang nicht möglich.

C konnte den A dann erst wieder um 3:48 Uhr telefonisch erreichen. A saß zu diesem Zeitpunkt bereits im Shuttlebus, der in Richtung Innenstadt gefahren wurde. Zu der Zeit waren der C und Tanja Gräff noch auf dem Festgelände und gingen in grober Richtung Bushaltestelle FH.

In der Menschenmenge auf dem Fest verlor dann der C Tanja Gräff für einen kurzen Moment aus den Augen. Er ging ein Stück zurück und sah dann Tanja Gräff bei einer ihm unbekannten Person stehen. Er sprach sie an und sagte ihr, dass er den Bus nehmen wolle. Daraufhin mischte sich die unbekannte Person ein und antwortete ihm mit den Worten: „Eh, lass die Tanja in Ruhe“. Wer diese Person war konnte bis heute nicht ermittelt werden. Der C ging daraufhin alleine zur Bushaltestelle und nahm dort den Shuttlebus.

Um 3:53 Uhr sandte Tanja Gräff dann eine SMS an den A mit dem Inhalt: „A, wo bist DU?“. Um 4:00 Uhr, nachdem er die SMS gelesen hatte, rief er Tanja Gräff an. Er teilte ihr mit, dass er bereits auf dem Weg in die Stadt sei. Tanja Gräff habe, so die Angabe von A, hierauf mit einer gewissen Verstimmung reagiert. A hat das mit dem Wort kratzig beschrieben und „ein bisschen sauer, weil wir schon weg waren“, so hat er das in seiner Vernehmung damals gesagt. Tanja Gräff teilte dem A mit, dass sie nachkommen wolle. Man vereinbarte dann einen Treffpunkt in der Innenstadt. Bei diesem Telefonat, dessen genaue Uhrzeit sich anhand der Verbindungsdaten nachvollziehen lässt, wurde Tanja von 3 Zeugen beobachtet die alle Tanja Gräff kannten und nach dem Telefonat mit ihr ins Gespräch kamen. Nach den Angaben der Zeugen wirkte Tanja Gräff aufgeregt und wollte wissen, wie sie am schnellsten in die Stadt zum Nikolaus-Koch-Platz kommen könne.

Ein letztes Telefonat von Tanja Gräff fand um 4:13 Uhr statt.

Sie telefonierte wieder mit A und der A teilte Tanja Gräff mit, dass er entgegen der ursprünglichen Absprache mit 2 weiteren Freunden auf dem Weg zum Bahnhof sei um von dort ein Taxi zu nehmen, man wolle wieder in die Wohnung des Studenten B Am Trimmelter Hof fahren.

Aufgrund der technischen Auswertung steht fest, dass sich Tanja Gräff zu dieser Zeit 04:13 Uhr noch in der Funkzelle befand, deren Ausdehnung insbesondere das Gelände der FH, aber auch den Höhenmeter um den roten Felsen, wo die Absturzstelle liegt, abdeckt. Sie hatte den Bereich also nicht in Richtung Innenstadt verlassen. Nach 04:13 Uhr gibt es dann kein Lebenszeichen mehr von Tanja Gräff. Es gibt keine Zeugen, sie sie definitiv danach gesehen haben, es fand auch keine Kommunikation mehr zu ihrem Mobiltelefon statt, die nächste Anwahlversuche fanden erst dann am Nachmittag gegen 15:00 Uhr statt. Zu diesem Zeitpunkt war das Mobiltelefon nicht mehr erreichbar.

Zwar gab es im Laufe der Ermittlungen Aussagen von verschiedenen Zeugen, die an verschiedenen Örtlichkeiten verschiedene Beobachtungen zu Personen gemacht hatten, bei denen es sich nach dem ersten Anschein um Tanja Gräff gehandelt haben könnte bzw. die Tanja Gräff ähnlich gesehen haben sollen – diese Spuren sind alle eingehend überprüft und ermittelt worden, es konnte aber in keinem Fall verifiziert werden, dass es sich tatsächlich um Tanja Gräff gehandelt hat. Belastbare Rückschlüsse auf den wahren Geschehensablauf nach 04:13 Uhr ließen sich aus diesen Beobachtungen nicht herleiten. Die Einzelheiten des Geschehensablaufes nach 04:13 Uhr sind daher im Ergebnis ungeklärt. Unsere Schlussfolgerungen hierzu schließen im Wesentlichen auf den objektiven Funden am Fundort der Leiche und deshalb möchte ich jetzt im Anschluß auf die Ermittlungen die diesbezüglich getätigt worden sind eingehen.

Besonderheit der Ermittlungen

Die Besonderheit der Ermittlungen im vorliegenden Verfahren ist, dass die Leiche rund 8 Jahre unentdeckt blieb. Dies, obwohl vielfach und mit großem Aufwand und großem Personaleinsatz nach ihr gesucht wurde. Das FH-Gelände sowie der angrenzende Wald wurden mehrfach durch Kräfte von Feuerwehr und Polizei und unter Einsatz von Suchhunden abgesucht. Es kam zu einer Vielzahl von Einsätzen des Polizeihubschraubers mit Einsatz der Wärmebild- und Videokamera. Auch an vielen anderen Stellen, weil man ja nichts gefunden hat, wurde gesucht, auch in Luxemburg.

Insgesamt wurden 63 Landschaftsgebiete, Gewässer und Objekte abgesucht und durchsucht. Hierzu gehörten auch Tauchereinsätze, das Ablassen von Teichen und das Absuchen ganzer Flussabschnitte mit Sonargeräten. Es kamen Leichenspürhunde und Maintrailerhunde zum Einsatz, alles blieb erfolglos.

Weil man nicht wusste, wo Tanja Gräff verblieben ist und was überhaupt passiert sein könnte, war es äußerst schwierig, zielgerichtete Ermittlungen zu führen. Man hatte keinen Tatort, keinen möglichen Tathergang, keine Leiche – eigentlich nichts. Vor diesem Hintergrund musste in alle Richtungen ermittelt werden und es wurden dann Ermittlungsmaßnahmen in einem bis dahin beispiellosen Umfang in Gang gesetzt.

Es wurde eine Sonderkommission eingesetzt von Juli 2007 bis zum Jahresende 2007 die aus etwa 60 Personen bestand. Im Januar 2008 wurde diese SK dann aufgelöst und eine Ermittlungskommission „FH“ eingesetzt, die dann bis zum Januar 2009 die noch ungeklärten Spuren und neue Ermittlungsansätze abarbeitete. Diese EK bestand aus 10 ständigen Mitarbeitern der Kriminaldirektion, die immer wieder von Beamten unterstützt wurden. Die Ermittlungen wurden in alle Richtungen geführt. […] Insgesamt gingen bei der Polizei bis zum Auffinden der sterblichen Überreste mehr als 2000 Hinweise ein, die zur Anlage von 800 Spurenakten führten, die alle überprüft wurden. Bei allen Ermittlungen wurden jedoch keine belastbaren Hinweise auf den Verbleib von Tanja Gräff gefunden und keine Hinweise auf einen konkreten Bestehensablauf der stattgefunden haben könnte.

Nachdem man im Jahr 2010 nach Auffassung aller eingesetzten Beamten weder offene Spuren noch sonstige Ermittlungsansätze vorlagen, beauftragte die Polizeiführung Trier in Absprache mit der Staatsanwaltschaft erfahrene Ermittlungsbeamte des Polizeipräsidiums Trier damit, alle Spuren noch einmal zu überprüfen. Dahinter stand die Überlegung, dass bisher nicht mit dem Fall befasste Beamte bei der Neubewertung mit einem unverfälschten Blick an die Sache herangehen und vielleicht neue Ermittlungsansätze gewinnen würden. Die Ermittlungsgruppe wertete über 1 Jahr sämtliche Spuren ___ neuer Ansätze aus. Auch sie kam jedoch nicht zu weiteren Ergebnissen.

Bewegung kam dann in die Ermittlungen erst wieder nach dem Auffinden der sterblichen Überreste im Mai 2015. Ab diesem Zeitpunkt gab es zu ersten Mal objektive Befunden aufgrund derer konkrete Schlussfolgerungen möglich waren und aufgrund derer konkrete Ermittlungen durchgeführt werden konnten.

Der Fundort, die Leiche und die aufgefundenen persönlichen Gegenstände wurden wissenschaftlich untersucht, zum Teil durch Kriminaltechnik, zum Teil durch externe Sachverständige. Die bereits vor dem Auffinden der Leiche zusammengetragenen Ermittlungsergebnisse und Spuren wurden sämtlich in der Kenntnis des Fundortes überprüft. Außerdem gingen nach dem Fund ca. 100 neue Hinweise ein, die ebenfalls alle überprüft wurden. Wesentliche Ergebnisse dieser Untersuchungen und insbesondere der technisch-wissenschaftlichen Untersuchung waren ja bereits Gegenstand der Pressekonferenz, die wir im Juni 2015 abgehalten hatten, an der auch der Rechtsmediziner Prof. Dr. Urban teilgenommen hatte. Ich beschränke mich daher auf die Ergebnisse, die aus unserer Sicht maßgeblichen Untersuchungen zusammenzufassen.

Rechtsmedizinisches Gutachten

Zentrale Bedeutung bei der Bewertung des Falles ist sicherlich das rechtsmediziniesche Gutachten des Instituts der Rechtsmedizin Main. Das kommt zu folgendem Ergebnissen:
Das an der Fundstelle aufgefundene Skelett war fast vollständig erhalten. Festgestellte knöcherne Verletzungen, die sich überwiegend im Bereich der Wirbelsäule und der Rippen befanden, wurden vom Sachverständigen ausschließlich einem Sturzgeschehen aus großer Höhe zugeordnet. Todesursächlich sei sehr wahrscheinlich eine Aterienverletzung im Halswirbelbereich gewesen. Der Tod sei sofort oder binnen kurzer Zeit eingetreten, so der Sachverständige. Werkzeugspuren oder sonstige Hinweise auf eine Gewalteinwirkung durch dritte Hand, also knöcherne Defekte, die nicht einem Sturz zugeodnet werden konnten, befanden sich an den Skelettteilen nicht. Anhaltspunkte für eine Fremdeinwirkung anhand des Skeletts waren nicht feststellbar.

Sturzrekonstruktion

Dann wurde mit recht großem Aufwand kurz nach dem Auffinden eine Sturzrekonstruktion durchgeführt im Bereich des Felsens oberhalb der Auffindestelle durch Fallversuche mit Dummies. Diese Versuche wurden von Beamten der Kriminaldirektion Trier in Zusammenarbeit mit dem BKA und dem rechtsmedizinischen Institut Mainz ausgewertet um Erkenntnisse über den Absturzort zu erlangen. Ergebnis dieser Rekonstruktion war oder ist: Es steht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest, dass Tanja Gräff in der Nacht ihres Verschwindens von dem Gelände oberhalb der Fundstelle den Felsen hinabstürzte. Die theoretische Möglichkeit, sie könne irgendwie von unten herangetragen worden sein, kann ausgeschlossen werden.

Zu dem Gelände ist dabei folgendes zu sagen: Oberhalb der Fundstelle führt ein Wanderweg, in Trier als so genannter Felsenweg bekannt, entlang der roten Felsen. Dieser Weg ist mit einem Metallzaun zum Abhang hin abgesichert. Der Zaun bestand bereits im Jahr 2007 und ist 1,20 m hoch. Er besteht aus massiven Metallstangen und dazwischen einem Drahtgitter. Vom Zaun bis zur Felskante sind es ca. 3,50 m. Dieser Geländebereich vor dem Zaun ist relativ steil und gefährlich. Bei einer Ortsbesichtigung fanden sich im Bereich hinter dem Zaun Trampelpfade. Von der FH aus kommend beginnt der am Wanderweg befindliche Zaun ca. 100 Meter vor der Absturzstelle und auch dort sind bereits Trampelpfade zu erkennen, die hinter dem Zaun entlang zur Felswand führen. Es ist daher davon auszugehen, dass dieser absturzgefährdete Bereich häufiger von Personen besucht wird.

Kleidung

Weiter zentraler Bedeutung kommt auch der sichergestellten Kleidung Tanja Gräffs zu. Die aufgefundenen Kleidungsstücke wurden von der Kriminaltechnik des LKA begutachtet. Ein Teil der Kleidung – insbesondere Bereiche mit Baumwollanteilen – waren bereits verrottet in Folge der langen Liegezeit. An der restlichen Bekleidung wurden aber keine Gewebedefekte festgestellt, die auf ein Werkzeug wie beispielsweise ein Messer hindeuten könnten. Der Gürtes der Hose war geschlossen, auf der Innenseite der geschlossenen Gürtelschnalle befand sich ein deutlicher Abdruck eines … Hosenknopfes. Es fand sich auch ein verschlossener Reißverschluss. Beides lässt darauf schließen, dass auch die Hose zum Zeitpunkt des Sturzgeschehens ordnungsgemäß verschlossen war. Auch die Unterwäsche war geordnet ohne Beschädigungen. Im Ergebnis ist deshalb hier festzustellen, dass bei der Begutachtung aller aufgefundenen Bekleidungsstücke keinerlei Spuren festgestellt werden konnten, die auf ein Gewaltdelikt hindeuten. der Zustand der Kleidungsstücke – geschlossene Hose, geschlossener Gürtel, geordnete Unterwäsche – lassen auch keine Anhaltspunkte für ein mögliches versuchtes oder vollendetes Sexualdelikt zu.
Auch am Schmuck, den Tanja Gräff trug, wurden keine gewaltsamen, auf Gewalteinwirkung zurückzuführende Beschädigungen festgestellt.

Likörfläschchen

Eingehen möchte ich noch auf die Likörfläschchen. An der Fundstelle konnten neben den Knochenteilen 10 leere Fläschchen der Marke Berentzen und ein Reagenzglas mit Schraubverschluss sichergestellt werden. Aus den Ermittlungen wissen wir, dass Tanja Gräff solche Fläschchen an diesem Abend in einer Stofftasche mitführte. 9 dieser kleinen Fläschchen lagen eng beisammen, so dass ausgeschlossen ist, dass sie einzeln von oben herunter geworfen worden sein könnten. Die Lage korrespondierte mit der Aufbewahrung in der inzwischen verrotteten Stofftasche. Die Fläschchen wurden alle, insbesondere im Verschlussbereich, auf das Vorliegen von DNA untersucht. Das Ergebnis war negativ. Es wurde nichts gefunden. Bei einer Substanzbestimmung konnten in dem aufgefundenen Reagenzglas Reste von Ethanol nachgewiesen werden. Eine Untersuchung des Inhalts der Berentzen Fläschchen ergab, dass diese spirituosen-ähnliche Inhaltsstoffe enthielten. Ausgeschlossen werden konnte, dass sich in den Behältnissen Rückstände von Betäubungsmitteln, Arzneimitteln, KO-Tropfen befunden haben. Die Untersuchung hat keine Anhaltspunkte für eine Straftat erkennen lassen.

Zu den Spuren und Hinweisen

Die erneute Überprüfung der alten Spuren und die der neuen Spuren und den Hinweisen hat im Ergebnis keine weitere Aufklärung des relevanten Geschehens nach 04:13 Uhr erbracht. Viele alte Spuren waren von vornherein mit dem Fundort unvereinbar, bedurften daher keine weiteren Ermittlungen. In anderen Spurenakten wurden hingegen weitere umfangreiche Ermittlungen, Vernehmungen usw. durchgeführt. Ich kann an dieser Stelle nicht auf die Spuren im Einzelnen eingehen, dies würde schon angesichts der Vielzahl der unterschiedlichen Spuren den Rahmen einer Pressekonferenz sprengen. […] Ich beschränke mich daher an dieser Stelle auf das Ergebnis.

Die Spuren sind nach einhelliger Auffassung der Ermittler sämtlich ausermittelt. Belastbare Hinweise auf eine Straftat haben sich aus keiner der Spuren und Hinweise ergeben. Zwar haben im Rahmen einzelner Spuren verschiedene Zeugen verschiedene Situationen in der späten Nacht geschildert, an denen Personen beteiligt waren, bei denen es sich ihrer Auffassung nach um Tanja Gräff gehandelt haben könnte, es konnte jedoch in keinem Fall verifiziert werden, dass es sich  tatsächlich um Tanja Gräff handelte. Anhaltspunkte, dass Tanja Gräff in Begleitung war, als sie sich an der Absturzstelle aufhielt oder als sie zur Absturzstelle gegangen ist, haben sich nicht ergeben.

Zum Fortgang des Verfahrens

Nachdem die Sonderkommission ihre Arbeit beendet hatte fertigte sie einen zusammenfassenden Bericht. Diese und das gesamte Aktenmaterial wurden im Januar 2016 der Staatsanwaltschaft zur Prüfung übergeben. In der Folgezeit wurden dann die Akten durch zwei sachleitende Staatsanwälte, einer von ihnen ist Herr Dr. Samel, der das Verfahren von Beginn an bearbeitet hat, auf weitere Ermittlungsansätze überprüft. Weitere Ermittlungsansätze sind dabei nicht gefunden worden.

Dem Rechtsanwalt von Frau Gräff, Herrn Rechtsanwalt Böhm, ist Gelegenheit gegeben worden zum Ergebnis der Ermittlung der Sonderkommission Stellung zu nehmen. Das hat er auch getan und Anregungen für einige weitere Ermittlungen gegeben.  Diese sind alle eingehend geprüft worden und einigen der Anregungen ist nachgegangen worden ohne das sich hieraus weitere Aufklärung ergeben hat. Anderen ist nicht nachgegangen worden, weil sie nach Auffassung der Ermittlungsbeamten keinen weiteren Kenntnisgewinn versprochen haben. Nachdem auch die Prüfung abgeschlossen war, hat die Staatsanwaltschaft in der letzten Woche am 22.06.2017 die abschließende Verfügung getroffen, und diese dem Rechtsanwalt von Frau Gräff mitgeteilt.

Ergebnis der Ermittlungen im Fazit des gesamten ermittelten Bereiches

Nach Analyse und Bewertung aller Ermittlungsergebnisse ergibt sich übereinstimmend die Auffassung des Fachkommissariats und der Staatsanwaltschaft völlig überein Folgende:
Im vorliegenden Fall wurde seit 2007 wegen eines möglichen Kapitaldeliktes ermittelt. Das wegen eines Tötungsdeliktes und nicht nur in einer Vermisstensache ermittelt wurde, hat seinen Ursprung in erster Linie darin, dass Tanja Gräff nach dem FH-Fest verschwunden war, dass es aber andererseits keinen Hinweis dafür gab, dass sie sich aus ihrem persönlichen Umfeld aus Dauer aus eigener Veranlassung entfernen wollte. Ihr spurloses Verschwinden war also schlichtweg nicht erklärbar und in dieser Situation lag die Annahme, die könnte Opfer eines Verbrechens geworden sein, nahe.

Bis zu ihrem Auffinden wurden dann, wie ich es schon gesagt habe, mehrere 100 Spuren überprüft. Diese Überprüfungen erbrachten jedoch sämtlich keinen konkreten Hinweis auf ein Tötungsdelikt. Auch nach dem Auffinden der Leiche an dem roten Felsen wurde weiter ermittelt, ob der Sturz möglicherweise auf ein Tötungsverbrechen zurückführt. Die Ermittlungen konnten zwar nicht alle Fragen klären, es sind Fragen offen geblieben.

So ist ungeklärt, welchen Weg Tanja Gräff nach ihrem letzten Telefonat um 04:13 Uhr genommen hat, ungeklärt ist, aus welchem Grund sie den Weg in Richtung der späteren Absturzstelle gegangen ist und ungeklärt ist vor allem, wie es zu dem Absturz genau kam.

Der Geschehensablauf nach dem letzten Lebenszeichen Tanjas um 04:13 Uhr konnte mithin trotz den umfangreichen Ermittlungen nicht abschließend geklärt werden. Aber die nach dem Auffinden der Verstorbenen erhobenen objektiven Befunde am Tatort und die weiteren Ermittlungen im ___ ergaben keine Anhaltspunkte für ein Gewaltverbrechen.

An dem aufgefundenen Skelett wurden keine Spuren einer Gewalteinwirkung von dritter Hand festgestellt, auch an der aufgefundenen Kleidung wurden keine Beschädigungen festgestellt, die auf eine gewaltsame Einwirkung einer unbekannten Person hindeuten. Aus dem ordnungsgemäßen Zustand der Kleidung, der geschlossenen Hose, dem geschlossenen Gürtel und der unbeschädigten Unterwäsche ergeben sich keine Anzeichen für ein mögliches Sexualdelikt.

An der Absturzstelle wurden laagegerecht falst alle persönlichen Gegenstände gefunden, die Tanja Gräff mit sich geführt hatte. Bei einem möglichen vorausgegangenen Kampfgeschehen wäre aber zu vermuten, dass die persönlichen Gegenstände am Ort des Kampfes zurückgeblieben wären, zumindest einzelner persönliche Gegenstände dort zurückgeblieben wären oder Bekleidungsstücke entsprechende Anzeichen einer Kampfhandlung aufweisen würden. Das alles war hier nicht der Fall.

Ganz wesentlich für die Bewertung ist auch, die Ermittlungen haben keinen Hinweis auf eine Vortatssituation erbracht, aus der ein mögliches Motiv hergeleitet werden könnte, Tanja Gräff den Felsen hinab zu stürzen. Es gab keinen Hinweis auf einen Streit oder eine Meinungsverschiedenheit mit irgendeiner Person auf dem Fest oder davor, keinen Hinweis auf eine Situation, aus der möglicherweise ein sexuelles Motiv entstanden sein könnte und auch sonst keine Hinweise auf irgendein nachvollziehbares Motiv für eine solche Tat.

Alleine unterwegs zur Absturzstelle

Es ergaben sich auch keine tatsächlichen Hinweise dafür, dass Tanja Gräff den Weg zur Absturzstelle oder an der Absturzstelle in Begleitung war. Im Übrigen erscheint es auch, was auf den ersten Blick vielleicht überraschend klingt, keinesfalls fernliegend, dass Tanja Gräff zur Absturzstelle gegangen sein könnte.

Eine Psychologin der LKA die ab 2011 in die Ermittlungen mit eingebunden worden war, wurde nach dem Fund der Leiche beauftragt, anhand den Aussagen von Angehörigen, Freunden und Bekannten und anhand den Erkenntnissen über den Verlauf des FH-Festes eine psychologische Analyse zur Person Tanja Gräff durchzuführen.

Sie kam in ihrer Analyse zu dem Ergebnis, dass sich Tanja Gräff insbesondere wegen ihrer Absichten um den Studenten A, mit dem sie zusammenkommen wollte, und der gefühlten Zurückweisung, als er vorgezogen hatte, die Nacht mit seinen Freunden ausklingen zu lassen in einem psychisch labilen Zustand befunden haben dürfte. Die junge Frau sei allein und angetrunken auf der FH-Fete zurückgeblieben. Diese Zurückweisung bzw. Kränkung könnte dann, so die Psychologin, als Anlasssituation gewirkt haben, in Richtung der roten Felsen zu gehen um dort allein zu sein. Hierzu kommt die Alkoholisierung, die emotionssteigernd wirken könne. Das Gelände an der Absturzstelle mit Blick über die Stadt nach Osten wirke anlockend auf Menschen, die den Sonnenaufgang oder die Aussicht über das Moseltal erleben wollten. Die Alkoholisierung könne dazu geführt haben, mögliche Gefahrenssituationen zu unterschätzen und sich auf der Gelände jenseits des Zaunes zu begeben. und sich so in eine lebensbedrohliche, lebensgefährliche Situation zu bringen.

Die psychologische Expertise stellt dabei um das klarzustellen selbstverständlich keinen Beleg dafür dar, dass es so gewesen ist, sie zeigt aber, dass die auf den ersten Blick fernliegende anmutende Handlungsweise vom FH-Fest ausgehende „falsche“ Richtung, also nicht in die Stadt zu laufen, psychologisch durchaus erklärbar und nachvollziehbar ist.

Nach Bewertung all dieser Umstände ist nach unserer Auffassung mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der tragische tödliche Sturz auf einem Unfallgeschehen beruht.

Ergebnis

Schlussendlich ist im Ergebnis nach alledem festzuhalten:

  1. Es haben sich trotz umfangreicher Ermittlungen keine Anhaltspunkte für ein wie auch immer geartetes Fremdverschulden am Tode von Tanja Gräff ergeben.
  2. Es bestehen keine weiteren erfolgsversprechenden Ermittlungsansätze um die Hintergründe des Absturzes von Tanja Gräff weiter zu klären.

Das Verfahren ist aus diesen Gründen nach § 170 Absatz 2 StPO eingestellt worden.

Quelle (mit Videoaufzeichnung der Pressekonferenz): http://www.volksfreund.de

 

4 Antworten auf „Niederschrift der Pressekonferenz über die abschließenden Ermittlungsergebnisse vom 28.06.2017“

  1. Ganz am Anfang wurde klar gefordert, Höhenretter bis zum Boden abzulassen, man suchte mehr als 3 mal an der gleichen Stelle.
    Die Suchaktion in Pallien, die Pressesprecherin sagte es geht um Leben oder Tod, man durchsuchte daraufhin mehre Häuser dort, obwohl der verstorbene Ohrenzeuge sagte sie kamen von Richtung Felsen.
    Es gab aber auch noch ganz andere Hinweise, die nicht wahrgenommen worden sind.
    Ein Unfall in 100 Meter Entfernung, eines Studenten in der gleichen Nacht.
    Andere Hinweise gab es auch noch, doch lassen wir es dabei.
    Man hat das Augenmerk mit den uns bekannten Darstellungen, in eine Richtung gelenkt.
    Vielleicht gab es ja auch nochmals den Versuch, die Behörde davon zu überzeugen den Anruf Sender Antenne West, nochmals genauer zu analysieren, mit den anderen die noch so dazu kamen.
    Die neuen bekannt gewordenen Details, der Polizeikonferenz 3, sind nur in den wichtigsten Gesichtspunkte bekannt gemacht worden.
    Das Gesamtbild sieht halt hier aus nach Unfall, und es muss nicht immer ein Verbrechen hinter allem stecken.

    Die Einstellung des Verfahrens ist durch Faktenlage mehr als gegeben.

    1. Zunächst Danke für Deinen Beitrag.

      Das Gesamtbild sieht halt hier aus nach Unfall

      Wie kommst Du darauf? Ich für meinen Fall sehe das vollkommen anders.

  2. Diese Pressekonferenz hinterlässt eine Reihe von Fragen. Allen voran: Kann man die Zeugen, die eine Person, deren Aussehen sehr gut dem Tanja Gräffs entsprach, gesehen haben, und deren Aussagen einfach mit der Bemerkung wegwischen, sie seien „nicht belastbar“ gewesen? „Nicht belastbar“ bedeutet ja einfach, sie konnten nicht durch weitere Aussagen bestätigt werden bzw. die entsprechenden Personen konnten nicht identifiziert werden. Alle relevanten Zeugen haben keinerlei Anlass für einen „Belastungseifer“, wie es im Juristen-Jargon heißt. Das gilt für Tanjas Freund, der von der „Lass Tanja in Ruhe“-Szene berichtete, ebenso wie für die befreundete Dreiergruppe, die sie zusammen mit dem „Spitzbart“ und einer weiteren Person im Hintergrund sah. Dies gilt für den Security-Mitarbeiter, der sie wütend am Telefon sah in Begleitung zweier Männer, und nicht zuletzt auch für den sogenannten Bauzaunhelfer, der einen Streit zwischen einer zierlichen jungen Frau mit auffälliger Tasche und einem Mann beobachtete.

    Dass sich die Personen, die von den genannten Zeugen gesehen wurden, nie bei der Polizei meldeten, lässt sich leicht damit erklären, dass die direkt oder indirekt etwas mit dem Tod Tanja Gräffs zu tun haben. Dass sie nicht ermittelt werden konnten, mag viele Gründe haben, aber sie einfach als „nicht belastbar“ wegzuwischen, zumal diese Beobachtungen in der öffentlichen Fahndung von größter Bedeutung waren (siehe etwa die Sendungen bei „Aktenzeichen XY ungelöst), erscheint mir unangemessen.

  3. Ich für meinen Teil frage mich an dieser Stelle zunächst: Wenn Tanja um 04:00 Uhr sauer gewesen ist und auf dem schnellsten Weg zum NKP gehen wollte, was sie daran gehindert hat, dass sie sich um 04:13 Uhr noch immer in der nahen Umgebung der FH befand.

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